Natürlich erfolgreich

Fachbeitrag in der Beauty Forum (Edition D 08/2018)

POSITIONIERUNG ALS NATURKOSMETIKERIN - Naturkosmetik ist ein gutes und profitables Alleinstellungsmerkmal für ein Kosmetikinstitut. Damit Kunden die Spezialisierung auch wahrnehmen, muss sie auch entsprechend nach außen dargestellt werden. Unternehmensberater Thomas Pretschner gibt Tipps, worauf Kosmetikerinnen dabei achten müssen.

 

„Wie stelle ich mich nach außen am besten als Naturkosmetikerin dar?“

Eine Frage, die viele Dienstleister für naturkosmetische Anwendungen beschäftigt. Schließlich würde das auch die Frage beantworten, wie sie mehr Kunden gewinnen und ihre Umsätze steigern können. Wäre die Frage jedoch einfach zu beantworten, gäbe es mit Sicherheit bereits irgendein Video im Internet mit einer solchen allgemeingültigen Lösung. Und plötzlich würden sich alle Naturkosmetik-Studios kaum noch voneinander unterscheiden.

Nein, für die Antwort auf diese Frage brauchen wir doch etwas mehr. Wir müssen Ihr Naturkosmetikstudio und dessen individuelle Außenwerbung eher ganzheitlich betrachten. Ihr Auftritt ist abhängig von den Kunden, die Sie ansprechen wollen. Deren Bedürfnissen und Wünschen. Danach richtet sich in der Regel Ihr ganzes Angebot und somit auch Ihr Image und nicht zum Schluss die Gestaltung Ihrer Kommunikationsmittel. Wollen Sie Kunden für sich begeistern, müssen Sie deren Wünsche scheinbar besser erfüllen können, als Ihre Wettbewerber. Genau genommen ist das sogar die Essenz einer erfolgreichen Außendarstellung.

Wer sind eigentlich Ihre Kunden?

Notieren Sie sich also erst einmal stichpunktartig, wer überhaupt zu Ihnen kommt. Sind es mehr Männer oder Frauen? Was machen die beruflich? Warum haben sie sich ausgerechnet für Naturkosmetik entschieden? Hat es eher gesundheitliche oder Lifestyle-Gründe?

Welche Anwendungen werden am liebsten gekauft? Und welchen Effekt bzw. Nutzen haben diese für die Haut Ihrer Kunden? Wird zusätzlich apparative Behandlungstechnik für schnell sichtbare Erfolge gewünscht? Oder genießen Ihre Kunden lieber nur die pflegende Wirkung chemiefreier Naturprodukte?

Die chemnitzer Heilpraktikerin und Naturkosmetikin Kristina B. fasst es für ihr Unternehmen so zusammen: „Meine Kunden kommen aus ganz gemischten Gründen zu mir. Einerseits sind es sehr viele Business-Frauen, die auf einen gesunden Lebensstil achten. Für diese ist Naturkosmetik eine Frage des Lifestyles. Allerdings wird hier sehr oft apparative Unterstützung wie z.B. Mikrodermabrasion oder Ultraschall-Anwendungen gewünscht. Denn sie wollen dennoch einen sichtbaren Anti Aging-Effekt. Andererseits habe ich auch sehr viele Kunden, die aus gesundheitlichen Gründen zu mir kommen. In letzter Zeit sind Allergien und Unverträglichkeiten stark gestiegen, so dass diese Menschen handelsübliche Kosmetikprodukte oder -anwendungen kaum noch vertragen. Hier bietet die sanfte Naturkosmetik natürlich einen Ausweg.“

Je nachdem wie Sie für Ihr Studio die Fragen beantworten, danach richtet sich auch Ihre Außendarstellung. Und diese sollte dann einem gewissen Gestaltungsraster folgen.

Was ist ein Corporate Design?

Unter einem Corporate Design versteht man das einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens. Es sorgt dafür, dass jede Form der Außenwerbung wie z.B. Internetseite, Visitenkarten, Flyer, Werbeschild, aber auch die Raumgestaltung ganz eindeutig und unmissverständlich schon auf den ersten Blick zu Ihrem Unternehmen zugeordnet werden kann. An dieser Stelle ernte ich meist fragende Blicke à la „Wozu brauche ich das?“

Die Antwort ist simpel

In der heutigen Zeit werden wir durchschnittlich mit etwa 3.000 Werbeinformationen täglich bombardiert. Vieles davon wird durch unsere selektive Wahrnehmung gefiltert. Das heißt, unsere Augen huschen in nur etwa 1,5 Sekunden Betrachtungszeit über einen Werbeträger. Das kann ein Plakat, ein Flyer, eine Zeitungsseite oder auch eine Internetseite sein. Dabei stehen Bilder für das Auge deutlich höher im Kurs als Worte. In dieser kurzen Zeit muss das Auge etwas wahrnehmen, was uns tagesaktuell interessiert oder wir zumindest WIEDER ERKENNEN. Ist das nicht der Fall, filtert unser Unterbewusstsein den gesamten Betrachtungsmoment aus – am Ende des Tages haben wir vergessen, dass wir es uns überhaupt angesehen haben. Übrig bleibt meist nur noch ein „Ja, ich glaube da war irgendwas...“.

Oder anders ausgedrückt: Ihre Kunden würden Ihre Werbung gar nicht wahrnehmen und das nur, weil sie anders aussieht. Um das zu vermeiden, entwickelt man ein individuelles Corporate Design – Erscheinungsbild des Unternehmens. Eine solche Entwicklung hat seine Tücken und wenn es funktionieren soll, müssen Sie mindestens so viel Liebe zum Detail aufbringen, wie für Ihre Kunden. Schließlich sollen diese ja mit der neuen Außendarstellung dann auch mehr werden.

Ihr Markenzeichen

Der Mittelpunkt eines solchen Corporate Designs ist das Markenzeichen (Logo). Es sollte bereits ein einfach wahrnehmbares Motiv beinhalten, welches direkt mit Ihren Leistungen in Verbindung steht. In der Naturkosmetik finden sich hier bereits viele Beispiele. Von stilisierten Blättern, Blüten über Menschen, Händen bis hin zu Yin-Yang- oder Feng Shui-Symbolen ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es muss nur zu Ihrem Angebot passen und sich optisch so deutlich wie möglich von Ihren Wettbewerbern abheben. Dieses Symbol wird in der Regel um den Firmennamen ergänzt, wodurch sich das eigentliche Logo ergibt. Dieses sollte so individuell wie ein Fingerabdruck für Ihr Unternehmen und dessen Leistungen sein. Ein gutes Logo ist durch seine ganz eigene Form auch in der Größe eines Fingernagels auf den ersten Blick wiedererkennbar.

Der nächste Schritt sind die Unternehmensfarben. Durch Ihre tägliche Arbeit auf dem Gebiet wissen Sie natürlich, dass es in der Natur nur wenige wirklich grelle Farben gibt. Und wenn, handelt es sich um Lock- oder Signalfarben. Tatsächlich finden wir vornehmlich gedeckte, matte Farben in der Natur, die lediglich durch starke Sonneneinstrahlung an Leuchtkraft gewinnen. Diese Eigenart muss sich auch in Ihren Unternehmensfarben wiederfinden, um den Zusammenhang zur Naturkosmetik eindeutig widerzuspiegeln. So bieten sich beispielsweise erdige und warme Farben an. Aber auch ein mattes Violett, Terrakotta oder Pfirsich kann die richtige Signalwirkung für Ihr Unternehmen erzielen. Diese Farbwahl sollte sich allerdings auch in der Raumgestaltung wiederfinden, um das einheitliche Unternehmens-Erscheinungsbild komplett zu machen.

Unterschiedliche Farben in einem Logo sind gut, aber übertreiben Sie es nicht. Aquarellartige Farbverläufe sehen auf großen Werbemitteln beeindruckend aus, aber schon in der Größe eines Facebook-Profilbilds vermischen sich diese vor unseren Augen und erschweren eher die Wiedererkennung. Allgemein bewährt haben sich zwei bis maximal drei Farben in einem Logo. Alles darüber hinaus wirkt sehr schnell „kunterbunt“ und unprofessionell.

Die richtige Schrift

Mindestens genauso wichtig wie die Farben ist die Schrift. Hier unterteilt man in Überschriften und Laufschrift. Überschriften sollen Aufmerksamkeit erregen und dürfen daher sie auch gern etwas exotisch sein. Auch hier gelten die Maßstäbe der Natur, in der es im Grunde genommen keine geraden Linien gibt. Je gerader eine Schriftart, umso steriler und pragmatischer die Wirkung. Für den Firmennamen im Logo und die Überschriften auf der Internetseite und anderen Werbemitteln bieten sich also Lizenzschriftarten an, die ein gewissen Eindruck von Handschreibung vermitteln. Hier sind im Internet viele unterschiedliche Stile zu finden, die zum Teil sogar an Tusche, Tinte oder Kreide erinnern. Nehmen Sie sich Zeit und wählen Sie nicht gleich das Erstbeste. Lassen Sie auch Freunde, Bekannte und Ihre Kunden über Ihre Entwürfe schauen. Solche Empfehlungen, Anregungen und konstruktive Kritik sind oft Gold wert.

Im Unterschied zur Überschrift muss die sogenannte Laufschrift auf einfach lesbare Weise Informationen übertragen. Für diese Laufschrift sollten Sie also eine klare und einfache Schriftart im Stil von z.B. Verdana, Arial oder auch Helvetica wählen. Verzichten Sie wenn möglich auf Serifen-Schriften. „Serifen“ sind die kleinen Spitzen an den Buchstaben z.B. bei der Standard-Schriftart „Times New Roman“. Je unruhiger eine Laufschrift, umso schwerer ist sie als Fließtext z.B. in einem Infobrief oder auf einem Display zu lesen. Ihr Interessent und Kunde soll aber mit Freude Ihre Informationen lesen, um einen Termin bei Ihnen zu vereinbaren. Oder etwa nicht?

Aus diesen einzelnen Formen, Farben und Schriften lassen sich jetzt passende Stilelemente herausarbeiten, die auf allen Werbemitteln in gleicher oder mindestens ähnlicher Form wieder in Erscheinung treten. Stilelemente sind manchmal nur Linien, blasse Formen oder auch Ausschnitte aus dem Logo selbst, die im Hintergrund der Werbemittel dargestellt werden. Sie schaffen einen passenden Rahmen um das Kunstwerk „Logo und Werbebotschaft“. Durch diese einheitliche Gestaltungsweise wird die eigentliche Werbeinformation umrahmt, aber dennoch unaufdringlich Ihrem Unternehmen zugeordnet.

Einheitliche Darstellung

Der Aufwand für ein solches Corporate Design ist nicht ganz gering, aber es lohnt sich. Und die Vorteile liegen auf der Hand. Potenzielle Kunden benötigen etwa 4 bis 7 Kontakte mit einem Thema, um ein ernstzunehmendes Interesse zu entwickeln. So liest der Interessent z.B. eine Zeitungsanzeige, sucht Sie im Internet, holt sich einen Flyer von Ihnen und kommt anschließend in Ihre Studioräume zu einem Beratungsgespräch. Folgen diese Kommunikationsetappen keinem einheitlichen Gestaltungsraster und unterscheiden sich damit optisch zu sehr, werden sie oft nicht ausreichend wiedererkannt.

Durch ein einheitliches Corporate Design sind Ihre Werbemittel immer gleich aufgebaut, was im Unterbewusstsein des Betrachters zu einem Lern- und Erinnerungseffekt führt. Damit wird Ihre Kommunikation schneller wiedererkannt, wodurch sich in der Regel auch eine höhere Interessenten-Reaktionsquote (Response) einstellt. Darüber hinaus wirkt Ihr Unternehmen bereits auf den ersten Blick kompetent, qualitätsorientiert und professionell.

 

© Autor: Thomas Pretschner