Alles auf Kurs halten

Fachbeitrag in der KOSMETIK INTERNATIONAL (GUT ZU FUSS 05/2018)

Als Unternehmer können Sie sich als Steuermann/-frau betrachten. Sie definieren, wo die Reise für Sie geschäftlich hingeht. Das heißt aber nicht, alles selbst zu machen.

 

Was versteckt sich eigentlich hinter dieser scheinbar belanglosen Formulierung „unternehmerisches Denken und Handeln“? Ist das nur wieder so eine platte inhaltslose Wortkombination oder tatsächlich der Schlüssel zu mehr Geschäftserfolg?

Die Antwort:

Weder das eine noch das andere und beides gleichermaßen. Es ist ein Wegweiser. Und ob Sie den gewiesenen Weg beschreiten oder verteufeln, liegt schlussendlich bei Ihnen.

Erfahrungsgemäß gibt es zwei Arten von Unternehmer/innen, die sich mit unternehmerischem Denken und Handeln näher auseinandersetzen wollen. Zum einen die Selbständigen, die Geschmack am Erfolg gefunden haben und diesen noch weiter ausbauen wollen. Und zum anderen diejenigen, die erst einmal dahin kommen wollen.

Ob nun so oder so, unternehmerisches Denken und Handeln besteht aus drei Komponenten. Den Unternehmer (unternehmerisch), das Denken und das Handeln.

Der Unternehmer sind Sie. Und ähnlich dem Kapitän eines großen Kreuzfahrtschiffes, müssen Sie alles für das Wohl Ihres Unternehmens tun. Dazu gehören Aspekte wie Preiskalkulation, Steuern, Wareneinkauf, aber auch Kundengewinnung und Kundenpflege. Als „Kapitän“ müssen achten, dass Ihr Unternehmen den Kurs hält und nicht irgendwo strandet. Dazu müssen Sie Ihr Ziel im Blick behalten. Und hier wird es bei den meisten problematisch.

Die Aufgaben sortieren

Die meisten Unternehmer/innen, die ich kennenlernen durfte, haben einerseits nur wenig Geduld und andererseits wollen sie nur ungern Geld für andere Dienstleister ausgeben. Daher machen sie lieber alles selber. Und so sitzen sie nachts über der Buchhaltung, arbeiten tagsüber am Kunden, schreiben zwischendurch neue Angebote, basteln am PC auch noch eigene Flyer zusammen, schreiben mehr oder weniger regelmäßig etwas auf ihre Internetseite, haben im Grunde gar keine Zeit mehr für die Sozialen Medien und so weiter. - Der Tag kann eigentlich gar nicht genug Stunden haben und es bleibt trotzdem noch viel zu viel liegen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Jetzt betrachten Sie diese Situation einmal aus der Sichtweise des Kapitäns.

Dinge delegieren können

Haben Sie auf einem großen Kreuzfahrtschiff schon einmal einen Kapitän gesehen, der gleichzeitig im Maschinenraum arbeitet, das Schiff steuert, als Kellner Getränke reicht, in der Bordküche das nächste Menü zaubert und ganz nebenbei auch noch die nächsten Passagiere wirbt? Hier wäre es nur eine Frage kurzer Zeit, bis das Schiff auf ein Riff läuft. Ganz einfach, weil eine Person nicht alles allein machen kann und eine Führungskraft sich über die eigenen Fähigkeiten und den eigenen Wert im Klaren sein muss.

Über einen kurzen Zeitraum mag ein geschickter Unternehmer bestimmte Aufgaben schnell und effizient mit erledigen können, aber das darf kein Dauerzustand sein. Und gerade für Sie als Beauty-Profi gilt diese unternehmerische Einstellung noch mehr als für einen Kreuzfahrt-Kapitän. Denn Sie haben nicht Tausende zahlungskräftige Passagiere, sondern nur maximal 4 bis 7 Kunden pro Tag. Ihre Zeit ist also viel Geld wert. Geld, mit dem Sie z.B. eine Teilzeit-Bürokraft mit der Vorbereitung Ihrer Steuerunterlagen, Angebotsrecherche oder der Vorbereitung Ihres Wareneinkaufs beschäftigen können.

Ein kleines Praxisbeispiel

Eine solche Teilzeit-Bürokraft könnte Ihnen Zuarbeiten bei Buchhaltung, Reinigung, Wareneinkauf, Telefondienst und vielleicht noch kleinere Recherchearbeiten für nächste Angebote abnehmen. Dafür erhält sie pro Stunde vielleicht 20,- €. In der gleichen Zeit behandeln Sie Kundinnen für z.B. 60,- € pro Stunde. Dann haben Sie viel mehr Arbeiten pro Tag geschafft und trotzdem noch einen Ertrag von 40,- € pro Stunde erwirtschaftet. Ein Denkanstoß: Wenn Sie alles ganz allein machen wollen, investieren Sie 60,- € pro Stunde. Nämlich den Umsatz, den Ihre Kunden bei Ihnen für eine durchschnittliche Behandlung bezahlen würden.

Und damit sind wir beim unternehmerischen „Denken“.

Hierbei dreht sich alles um eine ganzheitliche Betrachtungsweise des eigenen Geschäfts. Es geht um Denken, vor allem aber um Verstehen. Und dabei beginnt man üblicherweise mit einer einfachen unternehmerischen Fragestellung: Womit verdienen Sie Ihr Geld?

Systematisch herangehen

Nehmen Sie sich am besten ein Blatt Papier und teilen es in zwei Spalten. Auf der linken Seite schreiben Sie stichpunktartig alles hin, wofür Ihre Kunden Geld bei Ihnen bezahlen sollen. Auf die rechte Seite schreiben Sie alle unliebsamen Tätigkeiten hin, die Ihr Geschäft zwar betreffen, aber kein Geld in die Kasse bringen.

Für alles in der linken Spalte sollten Sie mindestens 80% Ihrer täglichen Arbeitszeit verwenden. Dann können Sie sich für alles was in der rechten Spalte steht eine kompetente Unterstützung leisten. Erfolgreich ist doch schließlich nicht, wer rund um die Uhr ohne Atempause an allen möglichen Fronten kämpfen muss. Sondern vielmehr, wer mit wenig Aufwand den höchstmöglichen Nutzen erreicht. Unterm Strich könnte man sagen, es geht hier um eine Steigerung Ihrer Effizienz.

Sich lösen können

Soweit zur Theorie. Mit dem unternehmerischen „Handeln“ zeigt sich aber leider recht häufig, wie weit Plan und Durchführung auseinanderklaffen. Der Grund dafür ist meist beim Unternehmer selbst zu finden. Durch seine starke emotionale Bindung an das Unternehmen, hat er eine bestimmte Arbeitsweise, Einstellung und fast schon einen Perfektionismus entwickelt. Eine sehr persönliche Herangehensweise, die nur wenige Hilfskräfte auf Anhieb nachvollziehen oder gar kopieren können. Im Gegenteil, diese Hilfskraft hat sich aufgrund ähnlicher bisheriger Tätigkeiten vielleicht ein viel effektiveres Arbeitsschema angeeignet. Nur ist das leider ganz anders, als Sie es vielleicht machen würden.

Und das führt sehr häufig dazu, dass andere die Arbeiten scheinbar niemals richtigmachen. Da sind Zettel in der Buchhaltung scheinbar nicht richtig abgeheftet, der Angebotstext klingt irgendwie nicht richtig und die Gestaltung des neuen Flyers ist auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Generell gilt in einem solchen Fall: Haben Sie eine Aufgabe einmal übertragen, mischen Sie sich nicht mehr ein. Erst muss die Bürokraft, die Mitarbeiterin oder die Werbeagentur Ihnen Lösungen und Ergebnisse liefern. Dann können Sie auch gemeinsam daran arbeiten, bis es Ihnen gefällt. Auf diese Weise lernen die anderen Ihre Denk- und Herangehensweise kennen, was später zu besseren Ergebnissen in kürzerer Zeit führt (Lernkurven-Prinzip).

Mischen Sie sich aber bereits im Arbeitsprozess ein, kritisieren Sie zu früh oder nehmen gar Teilaufgaben wieder an sich, verunsichern Sie den Beauftragten nur unnötig. Dadurch werden die Ergebnisse noch schlechter und Sie beweisen sich damit nur selbst, dass es niemand so gut kann wie Sie. Das würde die Entwicklung Ihres eigenen Unternehmens schlussendlich nur behindern, im schlimmsten Fall Ihr „Kreuzfahrtschiff“ sogar untergehen lassen.

Analytisch zum Erfolg

Als unternehmerisches Denken und Handeln verstehen wir also die Konzentration auf Ihre Kernkompetenz, mit der Sie Geld verdienen. Darüber hinaus aber auch die Vision, Strategie und Zielorientierung, wohin sich Ihr Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln soll und wie Sie das effizient erreichen. Nehmen Sie sich die Zeit und stellen Sie einmal selbstkritisch Ihr eigenes unternehmerisches Denken und Handeln auf den Prüfstand. Der Geschäftserfolg wird es Ihnen danken.

 

© Autor: Thomas Pretschner

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